Inhaltsüberblick
Zu bestimmten Zeiten im Jahr geschieht im Bienenreich Erstaunliches: Die männlichen Bienen, die Drohnen, verlassen den Stock, um sich an einem ganz besonderen Ort einzufinden – dem Drohnensammelplatz.
Ein Spektakel in der Luft
Entgegen der naheliegenden Vermutung treffen sich die Drohnen dort nicht am Boden mit den Jungköniginnen, sondern hoch in der Luft. Warum die Tiere jedes Jahr exakt dieselben Stellen wählen und wie sie diese finden, kann die Wissenschaft bis heute nicht abschließend erklären.
Instinkt statt Zufall
Für die Fortpflanzung des Volkes findet hier ein beeindruckender „Hochzeitsflug“ statt. Dabei überlässt die Natur nichts dem Zufall: Da die Königinnen denselben Instinkten folgen wie die Drohnen, ist ein Zusammentreffen garantiert.

mit großen Facettenaugen
Foto: Waugsberg, Drone 24a, CC BY-SA 3.0
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Der Begattungsflug der Bienenkönigin
Nur wenige Tage nach ihrem Schlupf bricht die Jungkönigin zu bis zu drei Paarungsflügen auf.
- Wann? An warmen, sonnigen Nachmittagen.
- Wie lange? Zwischen 10 und 30 Minuten.
- Das Ziel: Um die genetische Vielfalt zu sichern, paart sie sich mit durchschnittlich zwölf Drohnen – manchmal sogar mit deutlich mehr.
Wusstest du schon? Eine Bienenkönigin kann bis zu 10 Kilimeter weit fliegen, um sicherzustellen, dass sie nicht auf Drohnen aus dem eigenen Verwandtenkreis trifft.
Die Rolle der Pheromone
Sobald eine Königin einen Sammelplatz erreicht, setzt sie ihr Mandibelpheromon frei. Dieser Sexuallockstoff löst bei den Drohnen eine blitzschnelle Reaktion aus: Sie verfolgen die Königin in einem kegelförmigen Schwarm. Nur die schnellsten und ausdauerndsten Männchen kommen zum Zug.
Der „Preis“ der Paarung
Für die Drohne bedeutet der Erfolg gleichzeitig das Lebensende. Der Paarungsvorgang ist so intensiv, dass das männliche Geschlechtsorgan (der sog. Endophallus) der Drohne abreißt und sie unmittelbar danach stirbt. Die Königin hingegen kehrt mit einem lebenslangen Vorrat von bis zu 6 Millionen Spermien in ihren Stock zurück.

der letzten Drohne
Foto: Josef Rosner – Architekt – http://www.KalCool.com, Bienenkoenigin9478-1200, CC BY-SA 3.0 DE
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Zusammenfassung der Fakten
| Merkmal | Details |
| Flughöhe | 10 bis 40 Meter über dem Boden |
| Teilnehmer | Hunderte bis Tausende Drohnen aus diversen Völkern |
| Ortstreue | Orte bleiben über Jahrzehnte konstant (ein biologisches Rätsel!) |
| Flugdistanz | Drohnen ca. 1–3 km; Königinnen bis zu 10 km |
Vergleich: Königin vs. Drohne
| Merkmal | Jungkönigin | Drohne (Männchen) |
| Lebenserwartung | Bis zu 5 Jahre | Wenige Wochen |
| Flugradius | Sehr hoch (Vermeidung von Inzucht) | Eher lokal (Energieeffizienz) |
| Hauptaufgabe | Eierlegen für das gesamte Volk | Weitergabe der Gene |
| Schicksal nach dem Flug | Rückkehr als „Regentin“ in den Stock | Tod durch Paarung oder Ausstoßung im Spätsommer |
Zusammenfassung: Das Phänomen Drohnensammelplatz
Der Drohnensammelplatz ist weit mehr als nur ein Treffpunkt – er ist das Zentrum der genetischen Zukunft eines Bienenvolkes.
🐝 Höchste Selektion: In 10 bis 40 Metern Höhe findet ein extremer Wettlauf statt. Nur die schnellsten und ausdauerndsten Drohnen können sich im „Drohnenkometen“ gegen tausende Konkurrenten durchsetzen.
🐝 Garantierte Vielfalt: Durch die großen Distanzen, die Königinnen zurücklegen (bis zu 10 km), wird Inzucht effektiv verhindert. Die Paarung mit durchschnittlich 12 Männchen sichert einen breiten Genpool.
🐝 Biologisches Rätsel: Die Orte bleiben über Jahrzehnte hinweg identisch, obwohl keine Drohne den Platz vom Vorjahr kennen kann. Die Natur nutzt hier vermutlich topografische Merkmale und Magnetfelder als Wegweiser.
🐝 Ein hoher Preis: Während die Königin mit einem lebenslangen Samenvorrat in den Stock zurückkehrt, bezahlt die Drohne den Erfolg bei der Paarung unmittelbar mit ihrem Leben.
Fazit: Drohnensammelplätze sind Meisterwerke der Evolution – sie garantieren die Vitalität und das Überleben der Honigbienen durch einen hocheffizienten, natürlichen Auswahlprozess.